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Vergaser

Der Vergaser der Fazer macht wenig Ärger. Er ist schon ab Werk ganz brauchbar abgestimmt und unempfindlich. Natürlich gibt es auch für ihn diverse Düsen-Kits um das letzte PS zu finden, z.B. das sehr populäre von Ivan. Da mein persönlicher Geschmack immer mehr in Richtung Tourenfahren tendiert bin ich zurück zur Originalbestückung gekommen.

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Hersteller ist Mikuni, die interne Bezeichnung lautet BSR37/4. Ersatzteile gibt es z.B. beim deutschen Importeur Topham.

Überholung

Nach langer Betriebszeit machen sich unvermeidlich die Nachteile der komplizierten Feinmechanik bemerkbar. Benzinrückstände setzen sich ab und die Dichtungen altern, der Motor läuft nicht mehr ganz so rund. Bei der Gelegenheit kann man direkt ein paar Feineinstellungen vornehmen.

Das Zerlegen ist überhaupt kein Hexenwerk und ohne Spezialwerkzeuge zu erledigen. Nur der Ausbau aus dem Motorrad ist etwas schwierig.

In der Schwimmerkammer befinden sich allerlei Düsen und Teile die man heraussschrauben und säubern sollte.

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Von besonderer Wichtigkeit sind die O-Ringe. Diese Verspröden mit der Zeit und werden undicht. Wenn der Vergaser überläuft ist häufig ein O-Ring undicht, nicht das Schwimmernadelventil selbst. Das Foto zeigt die Dichtung zwischen Lagersitz und Vergaserkörper. Man kann deutliche Ablagerungen am O-Ring erkennen. Im Hintergund liegt der Kraftstoffilter.
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Gleiches gilt für die Dichtung vom Düsenstock. An seinem unteren Ende sitzt übrigens die Hauptdüse.
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Als weiteres wichtiges Bauteil gibt es noch die Leerlaufgemischschraube. Auch hier sitzt ein wichtiger O-Ring.
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Um die Liste der O-Ringe zu vervollständigen noch der kleine vom Deckel der Unterdruckschieber. Eine wirkliche Funktion hat der aber nicht, die Kammer darunter endet blind. Abmessungen: 2.2 x 5.5 x 1.5 mm
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Im Zubehörhandel gibt es komplette Dichtungs-Sets zu kaufen.
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Sowas habe ich mir erstmal besorgt (4 Stück) und losgelegt. Mit Überraschungen..

  • Der Anbieter hat es mit der Zusammenstellung wohl nicht so genau genommen und die kleinen O-Ringe falsch beigelegt. Für eine der Gemischschrauben musste ich daher die alte Dichtung weiterverwenden.
  • Die Feder im Nadelventil war sehr deutlich strammer als beim Original. Ich habe deshalb die alten Ventile beibehalten und nur die neuen O-Ring-Dichtungen verwendet. Wichtig wird das wenn man nur blind die Ventile ersetzt und die Schimmerhöhe nicht einstellt.

O-Ringe

Genau genommen ist es Quatsch einen kompletten Dichtsatz zu kaufen wenn man am Ende nur die O-Ringe ersetzt. Wesentlich preisgünstiger bekommt man die Dichtringe als "Tütenware" bei diversen Anbietern.

Als Material sollte man NBR (Buna-N) auswählen, oder ein ähnliches dass für Benzin und seine Zusätze geeignet ist.

Einzige Schwierigkeit ist die exakten Abmessungen herauszufinden..
In den diversen Foren findet man Angaben die vermutlich auf Nachmessen basieren und bei denen der nächstgelegene Listeneintrag eines Lieferanten als exaktes Mass gesetzt wurde. Für die Leerlaufschraube existieren direkt 3 unterschiedliche Angaben.

Wenn man versucht diese Angaben mit dem Topham Gesamtkatalog abzugleichen tauchen weitere Unklarheiten auf. Die Sortierung und Zuordnung im Katalog ist nicht ganz so eindeutig wie man es sich wünscht.

Man endet mit einer Liste von Werten der wahrscheinlichsten Abmessungen, die zum Glück alle dicht zusammen liegen.

(innen x aussen x Dicke [mm])

Position Topham Bezeichung Topham Abmessungen Forumsangaben
Schwimmerventil KV/10 7.5 x 10.5 x 1.5 7.5 x 10.5 x 1.5
Düsenstock VM14/147 5.7 x 8.3 x 1.3 5.5 x 8.5 x 1.5
Leerlaufschraube VM14/75
N133037
2.5 x 5.4 x 1.45
2.8 x 5.0 x 1.1
2.7 x 5.0 x 1.13
3.0 x 5.0 x 1.0
2.5 x 5.0 x 1.5


Optimierung

Die kondensierte Meinung aus vielen Threads und Messungen ist dass die Vergaser nicht für optimale Leistung abgestimmt sind (na klar, Yamahas erste Sorge waren die Zulassungen). Im unteren Bereich zu mager, im oberen zu fett. Ein K&N Filter wirkt dem oben rum schonmal entgegen, fehlt nur ein wenig Feinschliff in den anderen Bereichen.

Zuerst die Hauptdüsen. Original sind 2 unterschiedliche Grössen verbaut:
Zylinder 1 + 4: 132,5
Zylinder 2 + 3: 130

Die 130er sollen gut passend sein wenn ein K&N verbaut ist. Daher habe ich diese für alle 4 Zylinder ausgewählt.

Dann die Düsennadeln. Auch hier wird im Original gemixt:
Zylinder 1 + 4: 129
Zylinder 2 + 3: 130
Soweit ich messen konnte haben beide den gleichen Taper-Verlauf. Einziger Unterschied ist die Länge im oberen zylindrischen Teil. Bei gleicher Clip-Position sitzt die 130er Nadel um ca 0.5mm tiefer als bei der 129er. Den gleichen Effekt hätte man auch durch eine andere Unterlegscheibe erreicht, wollte Yamaha wohl nicht ..
Ich habe für alle Nadeln die 129er gewählt.

Nun kommt die Sache mit der Einstellung der Nadelhöhe. In den meisten seriösen Forumsbeiträgen wird empfohlen die Nadel um eine Clip-Position höher zu hängen, weil das Gemisch in diesem Teillast-Bereich ab Werk tendenziell in Richtung mager eingestellt ist. Für die absolute Lage der Nadel sind 4 Dinge entscheidend:
- Dicke und Anzahl der unteren U-Scheibe
- Dicke des Nylon-Spacers
- Clip-Position (5 Positionen sind vorhanden, ab Werk auf 3)
- Nadeltyp (129 oder 130)

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Die Nylon-Spacer hatten bei mir alle die gleiche Dicke von 2.5mm. Je nach Baujahr und Land können diese aber schwanken, und müssen auch nicht alle untereinander identisch sein.
Eine Unterlegscheibe hat eine Dicke von 0.5mm.

Meine Wahl für alle 4 Vergaser:

1 x U-Scheibe unten (0.5mm)
1 x Nylon-Spacer (2.5mm)
Düsennadel Typ 129
Clip-Position 2te von unten.
Bezogen auf den Originalzustand von Zylinder 1 und 4 sitzt die Nadel jetzt genau 1mm (= 1 Clip-Position) höher.

Wenn man die 130er Nadel beibehalten möchte (oder keine 129 hat) kommt man mit der folgenden Zusammenstellung zum gleichen Ergebnis:

2 x U-Scheibe unten (2 x 0.5mm)
1 x Nylon-Spacer (2.5mm)
Düsennadel 130 (0.5mm länger als 129)
Clip-Position 2te von unten.
Da die Nadel 0.5mm länger ist (Nadel sitzt tiefer) als die 129er reicht eine zusätzliche Unterlegscheibe aus (wenn man denn eine passende zur Hand hat ..).

Um die Verwirrung komplett zu machen ;) , bei den amerikanischen Modellen hat die Düsennadel nur 1 mögliche Clip-Position. In diesem Fall kann man die Nadel über eine passende Anzahl Unterlegscheiben anheben.

Einstellungen

Wichtig ist es noch den richtigen Schwimmerstand einzustellen. Laut WHB macht man das mit Hilfe eines Schlauches an der Ablasschraube. Die Panscherei muss aber nicht sein. Man kann auch die Höhe zwischen Unterkante-Schwimmer und Gehäusedichtung als Mass nehmen. Der Schwimmer soll bei genau 14mm Abstand gerade so das Ventil verschliessen.

Als Einstellhilfe habe ich mir eine Schablone aus Plexiglas geschnibbelt. Sehr zu empfehlen! Stabiler Karton tut es auch.
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Die Abmessungen findet man auf Pat's FZ1 Seite. An Stelle von Benzin habe ich 0.5Bar Druckluft verwendet.
Die Metall-Lasche am Schwimmer vorsichtig nachbiegen bis der Durchgang bei Anlegen der Schablone gerade verschlossen wird.

Die Gemischschraube komplett eindrehen (sehr vorsichtig) und dann 3.5 Umdrehungen wieder raus.
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Hier gehen die Meinungen etwas auseinander. 3 Umdrehungen raus sollen auch funktionieren. Ausprobieren ist im eingebauten Zustand schwierig weil man die Schrauben nur mit einem Winkelschraubendreher erreichen kann.
Das CO wird auch damit eingestellt.

Fertig :)

Sonstiges

Die Düsennadeln werden durch kleine Plastik-Stopfen mit Halte-O-Ring und Feder in den Schiebern gehalten. Diese fluppen sehr leicht und einfach in ihre Position. Die muss man nicht mit Gewalt reindrücken.

Synchronisieren nicht vergessen.

Benzinsorte

Yamaha empfiehlt eine Oktonzahl von mindesten 91 (ROZ, EU Normalbenzin Bleifrei).
In den USA entspricht dies einer Oktanzahl von ~87 weil der Wert dort anders bestimmt wird ( (ROZ+MOZ)/2 ).

Als Ursache für Ablagerungen im Vergaser wird häufig der hohe Anteil von Bioethanol im Benzin genannt. Wenn nach langer Standzeit die leichtflüchtigen Bestandteile verdampft sind sollen die Bio-Reste die Düsen zusetzen. Gerücht oder nicht?
Viele schwören deshalb auf sog. "Premium Benzin" (102 Oktan) dass die Neigung nicht haben soll.