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Problemstellen und Gebrauchtkauf

Kein Motorrad ist perfekt, aber die Fazer ist nah dran.
Nachfolgend ein paar Stellen auf die man achten sollte, speziell auch beim Gebrauchtkauf.

Motor

Da gibt es nur Gutes zu berichten, robust und langlebig. Motorschäden sind praktisch unbekannt. Laufleistungen von 100tKm sind kein Problem und keine Seltenheit. Die Mechanik hat keine typischen Fehler.

Ein paar sehr seltene Berichte:
Ein Öl-Blindstopfen im Kupplungskorb kann sich lösen und Geräusche verursachen oder die Funktion blockieren.
Bei hartem Einsatz kann eine Feder im Schaltmechanismus brechen. Einige Gänge sind dann nicht schaltbar.
Das EXUP (die Klappe im Auspuffsammler) kann sich festsetzen, oder auch nur Quietsch-Geräusche machen. Eine EXUP-Wartung/Schmierung ist im Wartungsplan vergessen worden, sollte aber unbedingt alle paar 10tKm gemacht. Die Schrauben am Exup sind mit grösster Vorsicht zu behandeln, sie brechen beim Ausdrehen gerne ab. Hitze und WD40 helfen.
Die hintere Befestigung des Auspuffsammlers (unter dem Motor) bricht und verursacht Geräusche.

Das Ventilspiel soll alle 50tKm kontrolliert werden. Es scheint aber nur in ~50% der Fälle überhaupt kleinere Abweichungen zu geben.

Fahrwerk

Die Gabel ist für den Durchschnittsfahrer bereits ab Werk akzeptabel und passend. Sie benötigt aber spätestens alle 20tKm eine gründliche Wartung, sonst wird sie bockig. Bei einem Sturz oder Umfaller bekommt sie sehr schnell einen kleinen Knick. Der ist schwer zu erkennen, macht sich aber im schlechten Fahrverhalten bemerkbar.

Das hintere Federbein ist etwas unterdimensioniert. Je nach Fahrergewicht, Beladung und Laufleistung kommt es an seine Grenzen. Die Erfahrungen sind aber unterschiedlich. Viele sind mit der Serie sehr zufrieden. Die Federrate soll auf ab Werk auf ein Fahrergewicht von ~75Kg ausgelegt sein. Je nach Geldbeutel und Anspruch hat man verschiedene Optionen:
- Austausch degen ein R6- oder BMW-S1000 Federbein. Beide Typen erfordern leichte mechanische Anpassungen und geänderte Zugstreben.
- Überarbeiten lassen mit angepasster, neuer Feder.
- Austausch gegen Wilbers oder ähnlich.

Bei den Reifen gehen die Meinungen naturgemäss weit auseinander. Nach meiner Meinung harmonieren die Pilot-Power von Michelin, oder seine moderneren Nachfolger, sehr gut mit der Fazer.

Die Bremsen sind (Yamaha-typisch) hervorragend gut. Die Originalbeläge funktionieren ausgezeichnet. "Renn"-Bremsbeläge verbessern die Leistung nochmals, ruinieren aber die Scheiben.
Stahlflex Bremsleitungen sind eine spürbare, aber nicht notwendige Verbesserung. Allerdings dürften mittlerweile bei allen Fazern die Originalleitungen ihre Lebensdauer erreicht haben und es spricht nichts gegen eine Umrüstung.

Vergaser

Die Vergaser mögen keine langen Standzeiten. Die Düsen setzten sich zu was sich besonders im unteren Leistungsbereich bemerkbar macht. Vergaserreiniger kann helfen, eine komplette Vergaserreinigung ist aber besser.

Die Ansauggummis bekommen kleine Risse. Normalerweise harmlos weil das Gummi sehr dick ist und Metalleinsätze hat.

Auspuff

Dank Edelstahl macht der keine Probleme. Das Original hat eine sehr ausgeglichene Charakteristik. Mit einem BOS o.ä. bekommt man evtl. noch ein PS zusätzlich bei höchsten Drehzahlen.
Im Modelljahr 2005 (das letzte) sitzt ein ungeregelter Kat im Zwischenrohr.

Gebrauchtmarkt

Die FZS1000 wurde im Zeitraum von 2002 bis ~2006 gebaut. Es sind daher nur noch gebrauchte Maschine im Markt. Generell ist die Fazer ein sehr zuverlässiges und wertstabiles Motorrad. Hohe Kilometerleistungen sind normal.

Batterie

Die Fazer kann sich zum "Batterie-Fresser" entwicklen. Die Batterie ist aber üblicherweise unschuldig und hat nur die Folgen der schlechten Stromversorgung zu ertragen. Durch ihre prominente Position kommt sie sofort in den Fokus. Die Ursachen sitzen in der grenzwertigen Auslegung der Lichtmaschine und der Verkabelung. Vorschläge zur Fehlersuche und zur Verbesserung sind weiter unten angegeben.

Die Lichtmaschine liefert nominal ausreichend Leistung. Allerdings wird erst oberhalb ca 2000 U/min genügend Leistung bereitgestellt wird um, neben der Grundlast, auch die Batterie wieder aufzuladen. Pro Startvorgang sollte man ca 5 .. 10 Minuten Ladezeit ansetzen. Den Motor zum Laden im Stand tuckern lassen ist keine gute Idee.

Elektrik

Eine der echten Schwachstellen, insbesondere mit zunehmendem Alter.

Der Laderegler ist nicht optimal an die Batterie angebunden (zu lange Leitungen, schlechte Masseführung, falsche Anzapfpunkte). Als Folge ist die Ladespannung für die Batterie grenzwertig niedrig. Es bleibt damit keine Marge mehr für sonstige Fehlerchen.

Kurzschlüsse oder Überlastungen im Zündschloss, bzw. in den zuführenden Leitungen, führen zu verschmorten Kabeln. Deren Widerstand steigt erheblich an und führt im Rest der Elektrik zu grenzwertigen Spannungen. Die Sympthome sind wie bei einer zu schwachen Batterie: Das Cockpit resettet gelegentlich, Startschwierigkeiten oder Zündungsaussetzer.

Eine weiterer (Folge-)Fehlerquelle sind die Steckverbinder der Lichtmaschine, sie sitzen unter der linken, vorderen Innenverkleidung und im linken Rahmendreieck. Durch sie fliesst der gesamte (Lade-)Strom vom Generator. In einigen Fällen führten schlechte Verbindungen zu verkokelten Kontakten. Die Stecker sollten daher regelmässig kontrolliert und gereinigt werden oder durch höherwertige, wasserdichte Exemplare ausgetauscht werden.

Die relevanten Leitungen sind im Schaltplan rot unterlegt.
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Hier ein paar Bilder was mit dem 2-poligen Stecker am Zündschloss passieren kann.
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Da hilft nur Austauschen. Brauchbaren Ersatz gibt es z.B. von der Firma Delphi, wasserdicht und für hohe Ströme geeignet.

Zusätzlich sollte man überlegen die "Licht-Verbesserung" einzubauen um das Zündschloss und die Leitungen zu entlasten. Dort sind auch die enorm langen Kabelwege aufgezeigt, wodurch viele Probleme plausibel werden.

Zündschloss zerlegen

Das Zerlegen muss nicht unbedingt sein, nur wenn man wirklich auf Nummer Sicher gehen will. Häufig wird auch empfohlen das Zündschloss mit WD40 zu "fluten". Hilft meistens sogar (eine Zeit lang), lindert aber nur die Sympthome die durch andere Schwachstellen verursacht werden.

Das Zündschloss ist mit 2 Abreisschrauben an der Gabelbrücke befestigt und daher nicht so einfach zu demontieren. Üblicherweise hat man mit einem kleinen Meissel Erfolg. 2 weitere Abreisschrauben halten die Kontakte zusammen. Die (zerstörten) Schrauben können bei der Wiedermontage durch solche mit normalem Kopf ersetzt werden.
(Vielen Dank an auch Chris für die Überlassung der Bilder)
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Die Kontaktplatte säubern oder notfalls ersetzen. Die gefederten Kontakte auf Leichtgängigkeit prüfen, eventuell die Haltelaschen (im weissen Kunststoffträger) passend nachbiegen.

Auf jeden Fall auch die Zuleitungen kontrollieren, die Kabel innerhalb der Schutztülle und die Verbindungsstecker (vorne unter dem Tank).

Die metallene Schutzplatte über den Anlötpunkten muss ausreichenden Abstand haben! Am besten eine stabile Kunststofffolie zur Isolierung hinzufügen.