Eine neue Steuerung einbauen? Warum?
Diese Frage kommt reflexartig sofort auf wenn an der Heizung irgendwas nicht funktioniert. Das ist auf den ersten
Blick ein valider Ansatz. Der Kessel und die Peripherie sind augenscheinlich noch intakt, das Fehlverhalten hängt irgendwie
mit der Elektronik zusammen und man möchte die Anlage mit wenig Aufwand wieder funktionsfähig machen.
Mehr darf man aber auch nicht erwarten. Selbst moderne Steuerungen mit feinen Regelmöglichkeiten können keine Wunder
vollbringen und natürlich auch nicht die Effizienz eines alten Kessels verbessern. Der grösste positive Effekt wird
dadurch zustande kommen dass man bei einem Wechsel gezwungen ist sich mit der Anlage auseinanderzusetzen und alles endlich
mal richtig einstellt und überprüft. Das kann man aber auch direkt machen ..
"Die Steuerung" ist keine einzelne, isolierte Box sondern über die ganze Anlage verteilt. Die Hoffnung auf Fehlerbeseitigung
und mehr Betriebssicherheit ist daher etwas trügerisch. Denn üblicherweise bleibt der "Unterbau" (der Kessel mit seinem
Feuerungsautomaten und Sicherheitseinrichtungen) unangetastet. Man sollte daher vorab sicherstellen dass dort nicht die
eigentlichen Ursachen für Betriebsprobleme sitzen.
Die Reparatur der Trimatik halte ich daher für den besseren Weg. Eine normal funktionierende Trimatik kann das Haus und
das Wasser gut und zuverlässig aufheizen. Nüchtern betrachtet ist die Auffrischung der bestehenden/alten Elektronik dem
Zeitwert und der Restlaufzeit der Anlage angemessen. Es ist zudem lächerlich günstig. Die wenigen Schwachstellen sind
gut bekannt (siehe folgende Kapitel) und gezielt und leichter zu beheben als eine neue Steuerung zu implantieren.
Eine neue Steuerung einbauen? Welche?
Bei einem Upgrade muss man zuerst entscheiden wie weit man sich von der Trimatik und aus der Viessmann-Welt
"entfernen" möchte. Eine Vitotronic 200 Typ KW2 wäre z.B. eine Empfehlung bei der sogar
alle Temperatursensoren beibehalten werden können.
Im Viessmann-Forum wird gerne auch eine Vitotronic 200 Typ KO2B empfohlen. Sie
ist noch einen Schritt moderner, verwendet aber andere Temperatursensoren (10k NTCs).
Von den Vitotronics gibt es jede Menge Serien über Baujahre und diverse Derivate. Vermutlich sind die fast alle
als Ersatz für die simple Peripherie und Betriebsmodi der Trimatik brauchbar. Am Ende erhält man immer eine
schöne Steuerung die man per KM-Bus, oder etwas ähnlichem, steuern und abfragen kann.
Es gibt mittlerweile auch beliebig viele universelle Steuerungen die funktional mindestens das gleiche bieten. Alle mit
schicken User-Interfaces und online fähig.
Eine neue Steuerung einbauen? Wie?
Eine "neue Steuerung" ersetzt NICHT automatisch die gesamte vorhandene Elektrik. Alle Elemente aus der folgenden
Übersicht sollten wegen Sicherheitsanforderungen erhalten bleiben (nach meiner laienhaften Einschätzung). Der
Kessel ist in genau dieser Konfiguration als betriebssicher eingestuft worden. Die einzige Schnittstelle für eine
neue Steuerung ist das Relais K1.
Der "Brenner" wird, wie bisher, nur vom Feuerungsautomaten kontrolliert. Die neue Steuerung wird davor eingeschleift
und gibt nur den "Startbefehl" per Relais. Die Sicherheitstemperaturbegrenzer bleiben weiterhin zusätzlich
eingeschleift und aktiv. Wenn man "bei Viessmann bleibt" hat man gute Chancen dass diese im neuen Gehäuse vorhanden sind
oder dorthin übernommen werden können. Falls nicht dann muss die ganze alte "Mimik" erhalten bleiben.
Die folgenden Punkte sollte man beachten und bewerten:
- Eine neue Steuerung benötigt abweichende Temperatursensoren die nicht automatisch mit den Viessmanns kompatibel sind.
- Alle Motoren und Aktuatoren müssen neu verdrahtet werden. Die Steckverbinder-Familie wird abweichend sein.
- Das neue, bzw. zusätzliche, Gehäuse muss "irgendwie" befestigt werden.
- Die neue Regelung muss parametrisiert und eingepegelt werden. Den Arbeitstemperaturbereich des Kessels muss man ebenfalls kennen und berücksichtigen. Für die Vitotronic, z.B., gibt es für jeden Kesseltyp spezifische Kodierstecker.
In Summe eine Menge Aufgaben mit einigen Unwägbarkeiten. Für einen begabten Bastler aber durchaus machbar. Selbermachen wird auch notwendig sein weil ein seriöser Handwerker (vermutlich) einen grossen Bogen darum machen wird. Solche Anlagen bleiben für ihn ewige "Bastelbuden"..
Eine neue Heizungsanlage?
Bei einem kompletten Heizungstausch sind die gesetzlichen Vorgaben aus dem aktuellen "Gesetz zum Erneuerbaren
Heizen" heute so eng gesteckt dass es häufig einem de facto Zwang zu einer Wärmepumpe gleichkommt. Eine generelle
Verpflichtung zum Austausch gibt es für meine Situation aber noch nicht (Stand heute: erst ab 2045).
Aber ist ein schneller Wechsel auf eine Wärmepumpe aus wirtschaftlicher Sicht ratsam? Im aktuellen Hype darf man
keiner Empfehlung glauben. Im Hintergrund sind immer auch andere Interessen versteckt, oder sogar eine Ideologie.
Die bestehende Anlage ist lange abbezahlt. Ein verlängerter Betrieb verusacht keine Finanzierungskosten.
Kleinere Reparaturen sind für mich akzeptabel.
Die Kosten für eine Neuinstallation sind erheblich, auch bei viel Eigeninitiative. Erfreulicherweise gibt es
aber (aktuell) staatliche Förderprogramme die bis ca. 50% davon übernehmen. Man sollte vor dem Auslaufen der
Programme umrüsten. Trotzdem bleibt immer ein 5-stelliger Betrag bei selbst einem hängen.
Mit den aktuellen (2026) Energiepreisen in meiner Region habe ich ein Kostenverhältnis von ~3,3 zwischen
Strom/Gas pro kWh. Geringere Betriebskosten kann ich daher nur mit einer Wärmepumpen-Jahresarbeitszahl erreichen
die deutlich darüber liegt. Mit einer JAZ von 5 ergeben sich ca. 760€ Einsparung. Die Amortisationzeit ist damit
sogar länger als meine "Rest-Lebenszeit". Das ist daher kein überzeugendes Argument..
Die zukünftigen Energiepreise und deren Belegung mit Abgaben/Steuern/Zulagen sind schwer vorhersehbar.
Für 2025 wird auf Gas eine CO2 Steuer von 55€ pro Tonne erhoben (20kWh Gas erzeugen 4 Tonnen CO2), danach
soll ein Zertifikatehandel etabliert werden. Die Strompreise werden mit hoher Sicherheit ebenfalls steigen.
Eine halbwegs belastbare Prognose wird niemand machen können.
Die eigene Photovoltaik als Haupt-Energielieferant für die Heizung einzuplanen halte ich schlicht für naiv.
Der einzige harte Trigger für mich für einen Austausch ist die Zuverlässigkeit der Heizungsanlage. Sobald sich
erhebliche Ausfallzeiten durch Reparaturen abzeichnen werde ich Austauschen.
Oder wenn ich mal wieder auf den Tripp komme alle wirtschaftlichen Argumente zu ignorieren weil ich so gerne
bastel :)
Austauschpflicht?
Nach dem GebäudeEnergieGesetz (GEG 2024) gibt es aktuell keine generelle Austauschpflicht für Bestandsanlagen.
Defekte Anlagen dürfen repariert werden. Ein generelles Betriebsverbot für Gas- und Ölheizungen gilt erst
ab dem 31. Dezember 2044.
Es gibt aber ein generelles Betriebsverbot für alle Heizkessel von vor 1991. Und für spätere Anlagen eine maximal
erlaubte Betriebsdauer von 30 Jahren. Dieses Alter wird auf so ziemlich alle Anlagen mit einer Trimatik-MC zutreffen..
Aber auch diese Regelung hat diverse Ausnahmen. Sie gilt NICHT wenn der folgende Fall vorliegt (unvollständige Liste):
- Die Anlage hat einen Niedertemperatur- oder Brennwertkessel.
In diesem Kontext sind darunter witterungsgeführte Anlagen zu verstehen mit variabler Kesseltemperatur und relativ hoher Energieeffizienz. Nur Konstanttemperaturkessel sollen ausgeschlossen werden. Damit sind die Trimatik-MC-Anlagen prinzipiell wieder "im Spiel" und dürfen noch weitere 20 Jahre betrieben werden.