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Regelbox

Das eigentliche "Gehirn" der Trimatik-Steuerung ist die Regelbox. Hier werden die Temperatursensoren und die Schalter der Frontplatte ausgewertet, die passende Heizkurve berechnet und entschieden welches Relais angesteuert werden muss. Die Box sitzt versenkt in einem Schacht. In die Kontakt-Slots auf der Vorderseite wird die Schaltuhr eingesteckt. Auf der Rückseite ist sie über den 40-poligen Steckverbinder "X1" mit der Grundleiterplatte verbunden. Zum Ausbauen wird die Box am Klapp-Hebel herausgezogen.

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Die existierenden Varianten habe ich willkürlich in 2 Gruppen aufgeteilt:

- Frühe Varianten: 7403 530, 7403 613, 7403 690, 7403 956, 7408 119
- Spätere Varianten: 7408 217, 7408 421, 7814 549

Die späteren Varianten unterstützen die neue hinzugekommene serielle Kommunikation mit der abgeänderten Schaltuhr (9519 249 an Stelle von 9509 259). Das macht das Hinzufügen einer Wlan-Schnittstelle besonders einfach.

Irgendwann gegen Ende der 2000er (?) wurde der Ersatzteilkatalog offensichtlich aufgeräumt und alle Varianten durch die Nummer 7814 549 ersetzt. Leider gibt es dazu keine Dokumente. Die letzten Infos die man findet betreffen den Vorgänger 7408 421, im Viessmann-Dokument 5481430VMA00001_1.pdf im ViBooks-Bereich.

Eine Besonderheit sind die Boxen:
- 7408 209, 7408 427, 7814 550
Sie basieren auf der sog. Fuzzy-Logik und kamen z.B. in der Duomatik-FL zum Einsatz. Diese Regelungsmethode benötigt keinen Aussentemperatursensor. Sie wertet u.a. den zeitlichen Verlauf der Kesseltemperatur aus und lernt und adaptiert sich automatisch.

Beginnend mit den Nachfolgemodellen (z.B. Trimatik-MC/B, ca. 1993/94) wurde das Konzept der separaten Regelbox aufgegeben und die Funktionalität auf/in die Hauptleiterplatte integriert.

Welche Box-Variante wann und in welcher Trimatik verbaut wurde ist rückblickend schwer zu sagen. Die existierenden Verwendungslisten sind mehrdeutig und ohne zeitliche Zuordnung. In den Betriebsanleitungen der Anlagen werden diese Details nie erwähnt. Man kann bestenfalls aus den Bildchen und Beschreibungen Rückschlüsse ableiten.

Es gibt keinerlei Berichte oder Hinweise über die Evolution der Varianten. Glücklicherweise aber auch keinerlei Warnungen oder Einschränkungen beim gemischten Einsatz von Regelbox, Schaltuhr und Trimatik-Version/Grundleiterplatte. Man hat dort offensichtlich die freie Wahl. Es ist aber stark davon auszugehen dass es im Hintergrund Verbesserungen und Fehlerkorrekturen gegeben hat die zusammen mit den Funktionserweiterungen eingeflossen sind. Die jeweils neueste Teilenummer zu verwenden ist daher nicht verkehrt und auch nicht schädlich.

In den folgenden Absätzen werden 3 Typen von Regelboxen beschrieben die ich gerade zur Hand habe:
- 7403 690, eine der frühen, einfachen Varianten
- 7403 956, eine weitere frühe Variante
- 7408 217, ein späteres Modell mit interner serieller Kommunikation

Details der Variante 7403 690

Die Gehäusehälften sind durch je 2 Plastik-Schnappies an den Seiten verrastet. Die 3 gestapelten Platinen sind durch ein Flachbandkabel verbunden. Dieser Aufbau ist identisch in allen Varianten zu finden.
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Im Inneren werkelt ein Intel 80C52 Prozessor.

Überraschenderweise hat dieser Prozessor eine serielle Schnittstelle die direkt nach aussen geführt ist und über X1 zum Steckverbinder X4 verläuft. Dort ist allerdings keine weitere Verbindung vorgesehen und die Signale enden blind. Die Dokumentationen enthalten auch keine weiteren Hinweise über diesen Konnektor.
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Pin Signal
X4[1] TxD
X4[2] RxD (fest auf GND gelegt)
X4[3] GND
X4[4] +5V

Über die Schnittstelle wird alle 600ms ein Datenpaket gesendet. Format und Inhalt sind unbekannt. Die Daten scheinen statisch zu sein. Sie sind unabhängig von den Widerständen der Temperatursensoren und den Schaltzuständen der Relais.

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Dieses Signal konnte ich nur auf einer 7403_690-Box entdecken (Herstellungsjahr 1989). Auf einer 7403_956-Box (Herstellungsjahr 1999) war das Signal nicht mehr vorhanden.

Ein weiteres serielles Signal ist am Steckverbinder X5[13] zu finden. Es ist einer der Pins für den Anschluss einer Fernbedienung. Es sind zwei Signalgruppen im Abstand von 680ms zu erkennen die sich alle 18 Sekunden wiederholen.
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Die beiden Signal-Burst sehen sehr ähnlich aus (links: erste, rechts: zweite), sind aber nicht identisch.
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Die Signale ändern sich sobald eine Fernbedienung verbunden und erkannt wird. Es folgt eine Kommunikation die im Kapitel Fernbedienung-MC genauer beschrieben wird.

Details der Variante 7403 956

Der innere und äussere Aufbau dieser Variante ist sehr ähnlich zur vorher beschriebenen 7403 690. Die Steckverbinder und Einsteller haben ihre Positionen beibehalten. Alle Platinen wurden überarbeitet. Die Änderungen auf der Prozessor-Platine sind minimal. Auf den Interface-Platinen wurde deutlich mehr verändert. Es wurde aber scheinbar nur das Layout etwas aufgeräumt ohne (deutlich sichtbare) Schaltungsänderungen.
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Die einzige von Aussen deutlich erkennbare Abweichung ist die vorderste Leiterplatte mit den Dip-Schaltern. Der separate S104 ist entfallen und in den 10er Block "gerutscht". Diese Brücke verbindet "Schaltausgang A" und "Schaltausgang B" der Schaltuhr miteinander. Vermutlich war das mal eine Option für sehr alte Schaltuhren mit nur einen Schaltausgang.

Details der Variante 7408 217

Diese Variante ist vom Aufbau identisch mit der 7403 956. Die neue hinzugekommene Fähigkeit zur seriellen Kommunikation wird auf der Schaltuhr-Seite ausführlich erläutert. Das Auslesen der Zustandsdaten wird dadurch drastisch vereinfacht und benötigt kein aufwändiges HW-Anzapf-Board.

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Prozessorplatine

Die Prozessorplatine scheint in allen Varianten sehr ähnlich zu sein. Bis auf wenige Ausnahmen sitzen sogar alle Bauteile an den gleichen Positionen. Die Date-Codes auf den 80C52 deuten auf einen Altersunterschied von ca. 5 Jahren.

  • Box 7403 690: 80C52417; VI 9509 229; Date-Code 1990-27; sonstige Bauteile Date-Code: ca 1990
  • Box 7403 956: 80C52931; VI 9509 666; Date-Code 1992-01; sonstige Bauteile Date-Code: ca 1999
  • Box 7408 217: 80C52BCT; VI 9515 550; Date-Code 1995-01; sonstige Bauteile Date-Code: ca 1999

An Hand der Differenzen aus den Date-Codes könnte man ableiten dass die Prozessoren aus der 7408 217 über einen Zeitraum von mindestens 5 Jahren verbaut wurden.

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Überraschenderweise enthält das Design keinen dedizierten ADC für die analogen Sensorwerte, auch der Prozessor besitzt keinen. Vermutlich wird diese Funktion durch den LM393 (comparator) und den HEF4541 (timer) nachgebildet. Auch der fette Keramikkondensator am unteren Bildrand spricht für irgendein diskretes Slope-Verfahren.
Der vorgeschaltete Analog-Multiplexer (4051, 8-fach) schaltet die Messignale der Reihe nach durch.

Eine Reihe von Buffern (4050, 6-fach) ist den I/Os des Prozessors vorgeschaltet. Zum Schutz der Eingänge, zur Aufhübschung der Signalpegel und als Treiberbaustein. Alleine die Dioden-Matrix der Front-Drehschalterplatine benötigt bereits ca 12 I/Os. Hinzu kommen noch die Dip-Schalter in der Regelbox (6 + 10 + 2*4 (Drehschalter)) und ihre COM-Leitungen. Die insgesamt 26 I/O-Ports der 4 Buffer sind daher komplett in Benutzung.

Hier ein unvollständiger Schaltplan der Prozessor-Platine:
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Verwendungslisten

Die Variante 7814 549 scheint die letzte Variante oder Evolution der Regelbox zu sein. Viessman listet sie als Ersatz für die folgenden Vorgängerversionen:

7814 549 als Ersatz für:
7403 530
7403 613
7403 690
7403 956
7408 119
7408 217
7408 421


Entsprechend den aktuellen Listen wurde die Regelbox-Version 7814 549 in den folgenden Regelungen verwendet (oder darf dort eingesetzt werden):
Teilenummer Bezeichung
7408 049 Trimatik-MC Stadtgas A/D
7408 078 Trimatik-MC für BRA
7408 107 Trimatik-MC
7410 065 Trimatik-MC Front anth.
7412 065 Trimatik-MC IT
7450 250 Diomatik
7450 260 Trimatik-MC Front hellgrau
7450 261 Trimatik-MC
7450 262 Trimatik-MC kurze Leitungen
7450 263 Trimatik-MC


Hier die entsprechende Verwendungsliste für die Variante 7408 421:
Teilenummer Bezeichung
7408 049 Trimatik-MC Stadtgas A/D
7408 078 Trimatik-MC für BRA
7408 107 Trimatik-MC
7450 261 Trimatik-MC
7450 263 Trimatik-MC


Und noch für Variante 7403 690:
Teilenummer Bezeichung
7408 107 Trimatik-MC
7410 065 Trimatik-MC Front anth.
7412 065 Trimatik-MC IT
7450 260 Trimatik-MC Front hellgrau
7450 261 Trimatik-MC
7450 262 Trimatik-MC kurze Leitungen
7452 260 Viessmann Trimatik-MC
7457 261 Trimatik-MC GB


Kodierschalter

Die Regelbox hat 2 Gruppen von DIP-Schaltern zur Konfiguration. Darüber wird der Box mitgeteilt welche Komponenten in der Anlage vorhanden sind (z.B. ein Mischer) und welche Details bei der Regelung zu beachten sind (z.B. untere Grenze der Kesseltemperatur).

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Die Funktionen der Dip-Schalter sind bei allen Boxen praktisch identisch. Die einzige (optische) Abweichung ist das "Verschieben" des einzelnen Schalters S104 in den auf 10 Positionen erweiterten Schalterblock.

Die folgende Tabelle listet die Funktionen der Kodierschalter einer (frühen) Version 7403 690.
Zur finalen 7814 549 habe ich keine Dokumente gefunden. Das letzte verfügbare Dokument beschreibt einige Funktionen die bei der Vorgängerversion 7408 421 geändert worden. Vermutlich ist das der letzte Entwicklungsstand.

(Voreinstellungen in fett)

   
DIPBeschreibung1=ON=oben0=OFF=unten7408 421 Änderung
S1.1Umwälzpumpe bei Speicherbeheizung, einschaltensofort einschalteneinschalten wenn (Kessel - Speicher) > 7K
S1.2Temperaturunterschied Kessel und HeizkreisParallelverschiebung der Kesselkreistemperatur mit „X“Einstellung der Kesseltemperatur separat an der Regelbox
S1.3Zeiträume für Trinkwassererwärmungimmerdurch Schaltuhr
S1.4Umwälzpumpe bei Speicherbeheizung, ausschaltenausschalten wenn Speichertemperatur erreichtausschalten wenn (Kessel – Speicher) < 7K
S1.5Wirkung der Maximaltemperaturbegrenzung für Heizkreis (Drehknopf an Regelbox, nom. 75°C)Heizkreis ohne MischerHeizkreis mit Mischer
S1.6Heizkreispumpen während Trinkwassererwärmungbleiben eingeschaltet, kein VorrangHeizkreispumpe wird abgeschaltet, Mischer wird geschlossen
S1.7Umwälzpumpen HeizkreiseDauerbetrieb, nicht abschaltenabschalten wenn (Aussen – Soll) > 1K
S1.8Heizkreis B für Regelung mit Mischer aktivierenKein Mischer, Regelung wirkt nur auf KesselkreisMischer wird angesteuert
S1.9FernbedienungTemperaturen über die Fernbedienung einstellenTemperaturen an der Regelbox einstellen
S1.10Schaltuhr KanäleKanäle zusammenfassenGetrennte Kanäle und Schaltzeiten für Heizung und Warmwasser
     
S2.1Brenner Stufenbetrieb„1“:Zweistufenbetrieb „0“:Einstufenbetrieb
S2.2Brenner Schalthysterese4Kautomatisch, 4 ..10K
S2.3Umwälzpumpen Heizkreisenicht abschaltenabschalten wenn (Aussen – Soll) > 1KÄnderung siehe Anleitung
S2.4Speicher-Temperaturbereich32 .. 60°C, einstellbar52 .. 80°C, einstellbar
S2.5Umwälzpumpen Heizkreise Anfahrschaltungeinschalten sobald Brenner abschaltet oder Kesseltemperatur > 42°C (für Atola oder Edelstahlkessel)eingeschaltet lassen auch wenn Kesseltemperatur > 35°C
S2.6Untere Temperaturbegrenzung HeizkesselwasserBegrenzung aktivBetrieb ohne untere Begrenzung