Die Ganganzeige

Fazer

Das "Schweizer Messer" für die Yamaha FZS 1000 Fazer. Sie ersetzt die Tankuhr im Cockpit durch eine Digitalanzeige mit diversen Funktionen: Ganganzeige, Digitaltacho, Tankinhalt, Wasser- und Lufttemperatur, Batteriespannung, Stoppuhr, Beschleunigungsmessung, .... Alle Informationen werden auf einem kleinen S/W Grafikdisplay dargestellt. Durch die Verwendung einer speziellen Frontblende ist sie sehr passend in die Optik der Armaturen integriert. Bedienung und Konfiguration erfolgen über die vorhandenen Taster des Cockpits. Die notwendigen elektrischen Signale liegen alle innerhalb des schützenden Tachogehäuses.
Mittlerweile hat die Ganganzeige viele Freunde gefunden und einige Maschinen von Forumskollegen sind damit ausgerüstet. Über diese Seiten können sie sich mit den neuesten Infos versorgen oder nachlesen. Über die Zeit kommen immer wieder neue Funktionen hinzu und ein Ende ist noch nicht absehbar.
Einige Yamaha-Modelle der FZS 600 Fazer und TDM 850 Baureihe haben ein weitgehend identischen Cockpit. Dort ist ein Einbau ebenfalls bereits geglückt.

Hier die Geschichte zur Entstehung:

Die Idee

Angefangen hatte alles im März 2004, wenige Tage nachdem ich meine Fazer bekommen hatte. Wegen der eng gestuften Gänge war ich nicht in der Lage den höchsten Gang herauszuhören und versuchte ständig in den 7ten zu schalten (zählen kann ich nicht). Für einen "alten" Elektronik-Bastler ist so was natürlich ein willkommener Anlass irgendeine elektronische Abhilfe zu basteln. Mit der Sinn-Frage habe ich mich dabei garnicht lange aufgehalten, ich hab's einfach gemacht.

Was ich haben will das krieg ich nicht Und was ich kriegen kann das gefällt mir nicht

Ein kurze Suche im Internet förderte die üblichen 'Zigarrenkisten'-Lösungen hervor, mit Schaltern am Gestänge und so, bääh. Es gab aber auch diverse elektronische Lösungen, leider mit den üblichen LED-7-Segment Anzeigen. Gefiel mir alles nicht. Also SELBST bauen! Eine schöne, zeitgemäße LCD-Anzeige sollte es sein. Dummerweise gab es keinerlei Möglichkeit einen Gangsensor am Getriebe anzubauen oder anzuzapfen. Also mussten irgendwie Tacho und Drehzahl verrechnet werden. Damit war eigentlich schon klar dass die Sache "etwas" länger dauern würde...

Detektiv spielen

Aller Anfang ist schwer. Und Informationen über die Fazer hatte ich gleich Null. Also ab ins Netz und suchen. Diverse Downloads später hatte ich Schaltpläne und Infos für die ersten Versuche: Oszilloskop in die Garage schleppen und Signale angucken. Oooh, im 6ten Gang auf dem Hauptständer fängt die Dicke schon ganz schön an zu wandern, hoffentlich macht sie jetzt keinen Hüpfer!! Wo steckt nur der Tachosensor? Und wie funktioniert der überhaupt? Einige Zeit später hatte ich die wichtigsten Infos herausgemessen, weiter ging's in der guten Stube.

Zugeschaut, mitgebaut

Jetzt kam der Mikroprofessor von Atmel ins Spiel. Ein geniales Teil mit "alles drin" was man zum Messen und Anzeigen benötigt. Ein putziges LC-Display hatte ich auch noch zur Hand und schon ging's los. Etliche Flüche und Wochen später spielte alles zum ersten Mal. Die Schaltung war ein gefädeltes Kunstwerk, die Signale für Tacho und Drehzahl wurden erstmal durch Tongeneratoren erzeugt und die Software war noch sehr grob und hakelig. Aber die Freude war gross. Noch ein kleines Gehäuse drum herum und die erste Probefahrt konnte losgehen.

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Das wahre Leben

Die erste Probefahrt war garkeine. Bereits vor dem Verlassen der Garage "verklemmte" sich irgendwas in der Software oder Hardware. Grrr!! So ging es einige mühsame Tage und Wochen mit vielen frustigen Rückschlägen. Am Mopped ist halt doch alles ganz anders als in der Theorie und am Basteltisch. Die Störungen auf der 12V-Spannung sind ein Alptraum und die Messsignale ganz anders als versprochen.
Aber langsam vergrösserte sich der Funktionsradius, die Garage kam sogar ausser Sichweite.

Die Anderen

hatten ihren grossen Spass wenn ich mal wieder stolz mit neuer Variante um die Ecke kam und sich das Sch...ding beim Vorzeigen prompt aufhängte. Geschenkt.

Mehr, immer mehr

Im Laufe der Zeit lief alles immer stabiler. Den Gang anzuzeigen funktioniert ganz gut, aber wenn man schon ein Display hat, warum nicht noch ein paar Gimmicks einbauen? Der Klassiker ist natürlich die Lufttemperatur. Das ist einfach, Sensor dran und fertig. Batteriespannung sowieso. Mmm, Wassertemperatur wäre ja auch ganz schick. Also Unterlagen suchen, die es nicht gibt, und im Cockpit den Sensor anzapfen... und läuft auch.

Eine Tachokorrektur wäre auch ganz praktisch. Wer weiß, vielleicht hole ich mir ja auch mal ein 15er Ritzel und ein wenig Korrektur ist sowieso immer notwendig. Damit wurde der Hauptprozessor jedoch überfordert und ich wählte eine fertige Lösung von www.tachokonverter.de (die Seite ist leider nicht mehr online). Es ist ein extra IC das bereits perfekt funktionierte und "nur" noch mit dem Hauptprozessor verbunden werden musste (danke Wolfgang).
Mit einigem Anlauf habe ich es später aber doch noch geschafft auch diese Funktion in den Hauptprozessor zu integrieren.

Bis dahin waren Elektronik und Anzeige in einem kleinen Kistchen, befestigt an der Tachoeinheit. Jetzt sollte alles in den Tacho wandern. Zum Glück war auch gerade wieder Winterpause mit viel Zeit und Langeweile.

Tankanzeige

Nach kurzer Diskussion im Forum war klar, die beste Lösung für den Einbau (Idee von Tom) ist das Ersetzen der Tankuhr. Solch eine radikale Lösung wollte ich eigentlich vermeiden weil man sich dadurch auch neue Probleme ins Boot holt, es musste ja nun auch noch die Benzinmenge angezeigt werden. Diese neue Baustelle hat mich denn auch noch sehr viel Zeit und Nerven gekostet. Aber es war genau die richtige Entscheidung um die Basteloptik loszuwerden. Zusammen mit einer schicken, gefrässten Alublende sieht jetzt alles aus wie ab Werk.
Damit startete auch die erste richtige Platine und ein robuster mechanischer Aufbau. Zuverlässigkeit erreicht man nur durch saubere Elektromechanik.

Heute

Viele Jahre sind mittlerweile ins Land gegangen. Und ich habe nicht aufgehört die Ganganzeige ständig weiter zu verfeinern und universeller zu machen.
V9 V9
Natürlich mit abnehmender Tendenz und hauptsächlich in der Software. Aber auch die Elektronik musste öfters angepasst werden weil einige Bauteile nicht mehr produziert werden.

Denkste

Mal eben geht gar nichts. Das ganze Projekt frisst Zeit wie ein Meerschweinchen Salat, jede Menge! Die Beschaltung des Prozessors berechnen und optimieren, die Platine layouten, die Software schreiben, die Mechanik konstruieren.... Bis heute mögen es an die 1000 Stunden geworden sein die ich da versenkt habe. Insbesondere die Software wird nie fertig. Stabil und zuverlässig ist sie schon lange aber mir kommen immer neue Gimmicks in den Kopf die ich noch einbauen kann.

Abstand halten

Noch ein paar Worte zur eigenen Absicherung und Klarstellung:
Alles was ich hier berichte sind Dokumentationen und Erfahrungen von meinen privaten ohne-Rücksicht-auf-Verluste-Basteleien.
Ich gebe keine Empfehlung die Modifikationen nachzuvollziehen.
Wer nützliche Informationen gefunden hat kann sich freuen.
Wer Aufgrund der Infos etwas zerstört hat Pech gehabt.
Ich gebe keinerlei Garantie für die Richtigkeit der Angaben.
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